Referent Stefan Jäger
Am 4. Mai hielt Stefan Jäger, Stadtführer aus Fritzlar, einen Vortrag im Café für Jung und Alt mit dem Thema: Reformation und Gegenreformation in Fritzlar. Zunächst zeigte er die Entwicklung der kirchlichen Strukturen in Fritzlar vom Mittelalter her auf. Hier spielten die Chorherren des Stiftes St. Peter eine große Rolle. Sie waren Kleriker verschiedener Weihestufen, die neben ihren kirchlichen Aufgaben auch mit weltlicher Macht ausgestattet waren und sich oft aus Adelsfamilien des Umlandes rekrutierten.
Die Reformation brachte große gesellschaftliche Umwälzungen. Größere Teile der Fritzlarer Bürgerschaft hielten es frühzeitig mit den Lehren Martin Luthers, was zu Spannungen mit den papsttreuen Chorherren führte. Als evangelische Prediger im Dom und der Katharinenkirche auftraten, mussten die Chorherren zeitweise die Stadt verlassen. Nach dem Konzil von Trient (1563) kam es zu einer Gegenbewegung, die wesentlich vom Jesuitenorden getragen wurde, mit dem Ziel die evangelischen Gebiete zu rekatholisieren. Dies führte 1596 in Fritzlar zu Unruhen mit Aussperrung von evangelischen Einwohnern, die in Gudensberg Schutz suchen mussten. 1606 konnten die Gläubigen nur unter dem Schutz von Soldaten den Gottesdienst in der Fraumünsterkirche besuchen. Im Jahr 1617 wurden 59 evangelische Familien (212 Personen) der Stadt verwiesen, was für die Stadt Fritzlar mit einer Resteinwohnerzahl von ca. 400 Personen eine erhebliche Schwächung bedeutete.
Am Ende des Vortrages dankte der Vorsitzende des GuKk, auch im Namen der 30 Zuhörer, Herrn Jäger für den interessanten Vortag, der Einblicke in eine überaus turbulente Zeitepoche gewährte. (HH)
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